Museumsgeschichte


Am 1. Oktober 1887 wurde mit der Gründung des „Gebirgsvereins zu Kamenz" der Grundstein zur naturkundlichen und vorgeschichtlichen Forschung in Kamenz gelegt. Im 1895 eröffneten Hutberghotel konnte ein Gebirgsvereinszimmer eingerichtet werden. Hier fanden die verschiedenen Sammlungsobjekte aus den Bereichen Geologie, Zoologie, Botanik, Archäologie und Kulturgeschichte ihre erste Unterbringung. 

der erste Museumsführer und Einblick in das Museum von 1931 - Museum der Westlausitz Kamenz

Die ersten Überlegungen zu einem heimatkundlichen Museum in Kamenz gab es in den 20er Jahren. Vor allem den Bemühungen des Stadtarchivars Dr. Gerhard Stephan ist es zu verdanken, dass 1931 ein stadtgeschichtliches Museum gegründet wurde, in dem zunächst viele historische und vorgeschichtliche Sammlungen der Stadt zusammengetragen und ausgestellt wurden. Auch erste gezielte Sammlungserweiterungen und Forschungsarbeiten im kulturgeschichtlichen Bereich konnten in dieser Zeit begonnen werden.

Die naturkundliche Forschung wurde seit den 30er Jahren vom Kamenzer Zweig der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis" (Bautzen) getragen, die 1939 auch die Sammlungen des Gebirgsvereins übernahm. Der Beginn des 2. Weltkriegs stellt einen tiefen Schnitt in der Sammlung und Aufarbeitung heimatkundlichen Materials dar. 1943 wurde das stadtgeschichtliche Museum geschlossen. Im Dezember 1944 fand die letzte Versammlung der Naturforschenden Gesellschaft „Isis" in Kamenz statt. Sowohl die naturkundlichen als auch die historischen und vorgeschichtlichen Sammlungsbestände mussten während der Kriegswirren verpackt und mehrfach umgelagert werden.

Erst Anfang 1954 erhielten die naturkundlichen als auch die historischen Sammlungen Räumlichkeiten im Rathaus zugewiesen, wo sie bereits ein Jahr später der Öffentlichkeit zugängig gemacht wurden. Es wurde schnell klar, dass die neue Unterbringung keine Dauerlösung sein konnte. Einige Sammlungsteile mussten im Lessinghaus und in der Lessingschule verbleiben.

Das Ponickauhaus 1954 - Museum der Westlausitz Kamenz 

1957 beschloss der Rat der Stadt Kamenz das Ponickauhaus, eines der ältesten Bürgerhäuser der Stadt, dem Museum zur Verfügung zu stellen. Mit der Möglichkeit auf einen Umzug der musealen Sammlungen ins Ponickauhaus war der Wunsch nach einem „ordentlichen" Heimatmuseum verbunden. Doch noch lebten zehn Familien im Ponickauhaus, waren die Büros eines Anwalts sowie der Müller- und Bäckergenossenschaft hier untergebracht, wurde im Erdgeschoss ein Laden betrieben.

Als 1959 die ersten beiden Räume an das Museum übergeben wurden, war da kein Platz für den Aufbau eines geordneten Museumsbetriebs. In kleinen Schritten wurde das Haus dem Museum übertragen und umgestaltet.

1961 eröffnet die erste Dauerausstellung im Bereich des ehemaligen Ladens. Gleichzeitig wurden die Sammlungen zusammengetragen und erweitert, entstanden die Fachbereiche Biologie, Geologie und Kulturgeschichte, die dem Haus schrittweise das Gesicht eines Landschaftsmuseums verliehen.

Sonderausstellung zur russischen Naturschutzarbeit 1967

1968 erfolgte die Umbenennung in „Museum der Westlausitz Kamenz". Sie dokumentierte auch nach außen die westliche Oberlausitz als Arbeitsschwerpunkt.

1977 zog die letzte Familie aus dem Ponickauhaus aus. Im gleichen Jahr erschien die erste Publikation des Museums.

1978/79 konnte durch die Rekonstruktion des Seitenflügels der Ausstellungsbereich vergrößert und modernisiert werden. Im Dachstuhl wurde die zoologische Sammlung untergebracht, während durch die Einrichtung des Präparationswerkstatt im Erdgeschoss der Fachbereich Zoologie deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen erhielt.

In den 80er Jahren etablierte sich das Museum neben den Naturkundemuseen Dresden und Görlitz als wichtiger Eckpfeiler für die naturkundliche Forschungs- und Bildungsarbeit in Ostsachsen. Als besondere Stärke des Museums stellte sich die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Naturschützern und Denkmalpflegern im Rahmen des Kulturbundes heraus, die eine enge Verknüpfung von Sammlungserweiterung und wissenschaftlicher Bearbeitung ermöglichte. Mit der politischen Entwicklung nach 1989 kamen inhaltliche Ausrichtung und äußere Rahmenbedingungen erneut auf den Prüfstand.

Als regional ausgerichtetes Museum wurde die Trägerschaft des Museums der Westlausitz 1991 an den Kreis Kamenz übertragen. Die großen gesellschaftlichen Veränderungen erforderten es, Arbeitsweise und Struktur des Museums gründlich zu überdenken und neu zu fundamentieren. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung geprägt von wirtschaftlichen Problemen und modernen Konzepten.

Im Bildungszentrum von Kamenz wurde mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt auf 1500 qm die Sammlungs- und Arbeitsbereiche des Museums in Form eines Schaumagazins ausgebaut. Mit Eröffnung des Sammelsuriums im Sommer 2000 erhielt das Museum moderne Forschungs- und Sammlungsmöglichkeiten.

2000-2002: Neugestaltung des Ponickauhauses. Konzipiert als lebendiges Haus der Wissenschaften steht das Elementarium heute vom Keller bis zum Dach der Öffentlichkeit zur Verfügung. 

Parallel zur Umgestaltung des Elementarium sanierte die Stadt Kamenz das gegenüberliegende Malzhaus. Hier wurden Magazine und Ausstellungen für die stadtgeschichtlichen Sammlungen geschaffen. Durch eine gläserne Brücke zum Elementarium wurden beide Museumsgebäude miteinander verbunden, so dass seit 2004 der Besucher durch die vielfältigen Welten beider Museen wandeln kann.